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Was kann Psychotherapie bei Krebspatienten leisten?

Eine Krebsdiagnose kann jeden Menschen in jedem Alter treffen. Ursächlich wird sie als eine sog. multifaktorielle Erkrankung verstanden, die dann auftritt, wenn dispositionelle, lebensstilabhängige und andere – zum Beispiel altersbedingte – Risiken in unglücklicher Weise zusammentreffen und die körpereigenen Abwehr- und Reparaturmechanismen nicht mehr ausreichen, um ein gesundes Gleichgewicht im Körper zu gewährleisten.

Selten reicht ein einzelner Risikokomplex, zum Beispiel ein genetisch mitgebrachter Schaden, Verhaltensrisiken wie Rauchen, psychischer Stress oder schädigende Umwelteinflüsse aus, um die Entstehung einer Krebserkrankung zu erklären. Die psychische Verfassung ist bei allen Erkrankungen zwar nicht unwichtig, jedoch keinesfalls als ursächlich für die Entstehung der Krebskrankheit anzusehen. In der Zeit nach der Diagnose spielt sie allerdings eine erhebliche Rolle. Die Diagnose Krebs löst bei vielen Betroffenen einen Suchprozess in diesen Risikobereichen aus, um die entsprechenden Schädigungsmöglichkeiten zu vermindern und kann dann zu einem deutlich gesundheitsbewussteren Lebensstil führen, der die kompetente onkologisch-medizinische Behandlung wirkungsvoll unterstützt.

Der psychoonkologisch ausgebildete Psychotherapeut begleitet den Betroffenen in der Zeit nach der Diagnose auf diesem Weg, der oft durch starke körperliche, seelische und familiäre Belastungen krisenhaft verläuft, häufig aber auch zu einem Wiedergesunden führt.

Die Angst, an der Krebserkrankung zu versterben, ist durch die Unberechenbarkeit der Erkrankung selbst begründet, begleitet mehr oder weniger spürbar jeden Betroffenen und wird vom Therapeuten nie vergessen, kann aber auch gleichzeitig zu einem sehr bewussten, intensiven Lebensgefühl führen, in dem Freude, sinnhafte Ziele, starkes Empfinden von menschlicher Unterstützung, Erweiterung des Blicks auf das wirklich Wichtige im Leben und ein vertieftes Gewahrwerden der eigenen Person spürbar werden können.

Diese im Krisenprozess neu erwachten Kräfte werden im Kontakt des Patienten zu seinem Psychotherapeuten bewusst bearbeitet und können neben der medizinischen Behandlung von Außen als Stärkung der Selbsterhaltung von Innen die Bewältigung der Krankheit insgesamt und der eingreifenden Nebenwirkungen der Behandlung erleichtern und den Genesungsprozess fördern.

Wenngleich das Primat der Krebsbehandlung bei der Medizin liegt, gilt eine begleitende Psychotherapie mittlerweile als eine von mehreren Optionen im Repertoire der unterstützenden Nachbehandlungsangebote aller Krankenkassen und Rentenversicherungsträger. Psychotherapie ist daher eine voll finanzierte Kassenleistung und kann wenige Stunden umfassen (zum Beispiel in Form einer sog. Krisenintervention) oder längerfristig bis zu 1-2 Jahre in Anspruch genommen werden. Wichtig ist, dass die Beziehung zwischen Patient und Behandler von beiden als stimmig erlebt wird.

Psychoonkologische Psychotherapie ist ausdrücklich keine Behandlungsform für psychisch Kranke, sondern eine coaching-ähnliche unterstützende Begleitung von Menschen in einer Krankheitskrise. Der Psychoonkologe versteht sich – auch wenn er Psychotherapeut ist – daher als Krisenhelfer.

In den ersten Wochen der Therapie stehen häufig die krankheitsbedingten Beschwerden und Probleme (Diagnoseschock, ausgelöste Ängste vor dem Tod, gesundheitliche Beeinträchtigungen, Rollenveränderung in Familie und Beruf und der Umgang mit Behandlern und Behandlungen) im Vordergrund der Gespräche. Dabei erleben es die meisten Patienten als ausgesprochen hilfreich, einen unabhängigen Gesprächspartner außerhalb der eigenen Familie zu haben, der ihre eigene Angst aushält, sich kompetent mit Wirkungen und Nebenwirkungen der medizinischen Behandlung auskennt, über die Lebensgefühle von Menschen in Krisen Bescheid weiß und dadurch ein guter Ratgeber sein kann.

Im weiteren Verlauf der Therapiegespräche nehmen Krebserkrankte meist ihr persönliches Leben ins Visier und versuchen Störquellen ausfindig zu machen, die am Gesundwerden hindern. Das können neben Risikogewohnheiten wie Bewegungsmangel oder Rauchen, schwierige Arbeitsverhältnisse, komplizierte Familienbedingungen, schon länger bestehende Konflikte in Beziehungen oder eigene problematische Einstellungen und Lebenshaltungen sein. Sehr oft werden sich Krebspatienten beispielsweise einer mangelnden Fürsorge für Leib und Seele der eigenen Person bewusst. Die Klarheit des Blicks für das, was schadet, hängt mit der Bedrohlichkeit der Krankheit zusammen. Aus dieser Bedrohung erleben viele Betroffene auch einen deutlich stärkeren Mut und eine Entschlossenheit Dinge, zu ändern, die schon lange den Alltag belastet haben.

Ganz nebenbei entwickeln sich Krebspatienten in einer solchen längeren Psychotherapie zu Experten, die beginnen, im Umgang mit der Erkrankung, den Behandlern und mit veränderten Beziehungen und Rollen im Alltagsleben Kompetenzen zu entwickeln. Einige suchen dann Kontakt zu Gleichbetroffenen in Selbsthilfegruppen oder sind in der Reha damit in Berührung gekommen und haben vom Austausch profitiert. Das kann, muss aber nicht der Fall sein.

Manche Patienten entdecken interessanterweise auch Gutes im Schlechten und können im Zustand nach der Krankheit Positives darin erkennen, dass die Krankheitserfahrung, die oft auch zu einer längeren Freistellung von schwerlastenden Aufgaben und Verpflichtungen führt, sie sensibler gemacht hat, Rollenerwartungen von außen mit kritischer Distanz zu begegnen und ihren eigenen Bedürfnissen näher zu kommen.

Deshalb ist Psychotherapie mit Krebserkrankten auch erfreulich, belebend und nicht selten eine Neuentdeckung der eigenen Person, ihrer Wünsche und Bestimmungen und eines stärker selbstbestimmten Lebens. Das können Kranke als sehr gesund empfinden und zwar unabhängig davon, wie lange dieses Leben nach der Krebserkrankung dauert.

Der Korridor, in dem sich der Patient und sein Psychotherapeut bewegen, wird nicht von uns bestimmt. Hier spielen die Art der Erkrankung, die Ausbreitung und die zunehmenden medizinischen Behandlungsmöglichkeiten eine Rolle. Diese Unabwägbarkeiten sind dem Psychotherapeuten bewusst. Weltweit überleben mehr als die Hälfte der Betroffenen ihre Erkrankung. Daran wirken Ärzte, bewährte medizinische und soziale Behandlungsformen, der Patient selbst und das schicksalhafte notwendige Lebensglück mit. Psychoonkologische Psychotherapie kann dabei eine wesentliche bestimmende Kraft sein.

Stand: September 2015
Praxis für Psychotherapie
Schwerpunkt Psychoonkologie
57462 Olpe


Formalien:

  • Psychoonkologische Therapien werden in unserer Praxisgemeinschaft angeboten durch
    Dipl. Psychologin Petra Steger
    Dipl. Psychologin Nadja König
    Dipl. Psychologin Dr. Barbara Rehse
    Dipl. Psychologe Dr. Elmar Reuter
    Dipl. Psychologin Anita Katharina Mueller


  • Adressen von psychoonkologischen Psychotherapeuten sind bei Ihrer Krankenkasse zu erfragen oder in der bundesweiten Adressenliste „Sprechstunde für die Seele“ unter der Internetadresse www.gsk-onkologie.de abzurufen. Ihrem behandelnden Onkologen oder auch der erstbehandelnden Akutklinik sind häufig auch entsprechende Adressen im Umfeld bekannt.

  • Psychoonkologische Psychotherapie ist zuzahlungsfreie volle Kassenleistung, jedoch antragspflichtig. Der Therapeut erledigt das Notwendige.

  • Psychotherapie bei Krebserkrankten kann in allen Krankheitsphasen in Anspruch genommen werden, nur einige Stunden umfassen oder 1-2 Jahre als supportive Begleitung konzipiert sein, dabei spielt nicht nur der Bedarf, also Ihre krankheitsbedingten körperlichen und seelischen Beschwerden, eine Rolle, sondern auch – und das im besonderen Maße – Ihr Bedürfnis nach einer derartigen Unterstützung.

  • Psychotherapie bei Krebspatienten findet in aller Regel als Einzeltherapie statt.

  • Manchmal möchten Krebspatienten nicht in Form einer Psychotherapie „behandelt“ werden, sondern suchen lediglich eine – auch längere – Beratung. Dafür gibt es psychosoziale Krebsberatungsstellen in den meisten größeren Städten. Adressen gibt es unter www.krebsinformationsdienst.de

  • Im sog. Nationalen Krebsplan, der Dt. Krebsgesellschaft, den Landeskrebsgesellschaften, der Dt. Krebshilfe und den Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaften sind psychologische Unterstützungsangebote in Form von Krebsberatung, Selbsthilfe und Psychotherapie bundesweit gefordert, gefördert und hinsichtlich der Qualität gewährleistet. Im sog. Nationalen Krebsplan, der Dt. Krebsgesellschaft, den Landeskrebsgesellschaften, der Dt. Krebshilfe und den Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaften sind psychologische Unterstützungsangebote in Form von Krebsberatung, Selbsthilfe und Psychotherapie bundesweit gefordert, gefördert und hinsichtlich der Qualität gewährleistet.

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